Dienstag, 25. April 2017

Fachgerichtsgebäude

Die Chefs mit der Bildhauerin.
Relief von Sabine Hoppe macht Eingangsbereich schöner

Hannover. Keine Waage, keine Gesetzbücher: Die Bildhauerin Sabine Hoppe aus Braunschweig hat bei ihrem Relief "Menschen und Justiz" auf die üblichen Symbole verzichtet. Auf der linken Seite warten Frauen und Männer vor einem symbolischen Eingangsportal, auf der rechten Seite reichen sich Menschen die Hand. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des hannöverschen Fachgerichtes: "Die dargestellten Szenen verdeutlichen, dass jede Gerichtsverhandlung individuelle Menschen betrifft, die für sich ein gutes Ende ihres Streites erwarten und vielfach auch erfahren."

Das Relief von Sabine Hoppe ist 140 mal 70 Zentimeter groß und aus Bronze. Mit diesem Kunstwerk soll der Eingangsbereich des Fachgerichtsgebäudes aufgewertet werden. Darüber freuen sich auch die Gerichtspräsidentinnen und Gerichtspräsidenten auf unserem Foto. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich mit großer Mehrheit für dieses Relief entschieden. Mehrere Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich an diesem Wettbewerb zur Verschönerung des Gerichtsgebäudes. Weitere Informationen über Sabine Hoppe auf www.bildhauerei-sabine-hoppe.de

Kommentar
Ohne Marx- und Engels-Zungen

So wie sich Wolf Biermann 1968 Gedanken über Fritz Cremers Bronze "Der Aufstrebende" gemacht hat, mache ich mir fast 50 Jahre später Gedanken über das Relief von Sabine Hoppe. Wenn ich könnte, was sie kann: Mein Relief hätte anders ausgesehen. Links hätten Menschen gestanden, die ängstlich zu Boden blicken und rechts Menschen, die ihre Hände ringen. Denn: Was Gerichte entscheiden, kann man als Relief-Mensch oft überhaupt nicht mehr verstehen.

Wolf Biermann sprach damals mit Marx- und Engels-Zungen, darauf verzichte ich, denn auch Karl Marx hat Rechtswissenschaften studiert, bevor er sich der Geschichte und der Philosophie widmete, Friedrich Engels dagegen war zumindest erfolgreicher Unternehmer in der Textilindustrie. Wohl auch deshalb habe ich die Schriften von Friedrich Engels besser verstanden als die Texte gewordenen komplizierten Gedankengänge von Karl Marx.

Eine Justiz, die es bis heute nicht einmal geschafft hat, Gesetzestexte so zu verfassen, dass sie jede und jeder verstehen kann, Richter, die diese Gesetze nicht einmal mehr anwenden, sondern in ihren Urteilen aus höchstrichterlichen Entscheidungen zitieren, scheinen gar nicht zu wollen, dass man frohen Mutes in ein Gerichtsgebäude geht und zufrieden wieder herauskommt. Wenn hier und da behauptet wird, dass wir eine Klassenjustiz hätten, dann kann ich nur sagen: Sie könnte um Klassen besser sein.

Außerdem frage ich mich, warum das Relief hinter dem Empfangstresen hängt und nicht frei zugänglich woanders...

Lesetipp aus dem Gerichts-Alltag: Die 100-Gramm-Verhandlung   

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